Gewerbliche Hühnerhaltung liefert niemals glücklichen Eier

Die Deutschen essen mehr als 200 Eier pro Jahr. So viele Eier, dass für jeden einzelnen ein Huhn einer guten Legerasse gehalten werden müsste. Tatsächlich teilen wir uns aber je ein Huhn mit einem Mitbürger. Der daraus resultierende Eiermangel wird durch Importe aus dem Ausland gedeckt. Eier von „glücklichen Hühnern“ aus artgerechter Haltung bevorzugen wir. Aber gibt es gewerbliche Hühnerhaltung, die diesen Ansprüchen gerecht wird?gewerbliche Hühnerhaltung - es geht eng zu

Lebensgewohnheiten von Hühnern

Hühner leben in Freiheit in kleinen Gruppen von etwa zehn bis zwanzig Hennen und einem Hahn. Es herrscht eine stark ausgeprägt Hierarchie, die ein friedliches Zusammenleben ermöglicht. Denn ist die Hackordnung einmal ausdiskutiert, wird sie nicht mehr angefochten.

Eine Großteil des Tages verbringen Hühner mit der Nahrungssuche pickend, scharrend und auch jagend. Dazu kommt die tägliche Gefiederpflege für Wohlbefinden und der Gesundheit. Die Lieblingsbeschäftigung der meisten Hühner ist deshalb ein Sandbad, das das Gefieder reinigt und von Parasiten befreit.

Frei lebende Hühner legen und bebrüten bis zu 40 Eier im Jahr. Die Mutterliebe der Hennen ist so ausgeprägt, dass man jede übereifrige Mutter als Glucke bezeichnet. Hühner werden auch sehr alt. Die natürliche Lebenserwartung liegt bei zwanzig Jahren.

Hühner sind intelligent. Bisher sind über 30 verschiedene Lautäußerungen identifiziert und Küken können tatsächlich bis sieben zählen, wie Forscher kürzlich herausfanden. Sie erkennen Gesichter, lernen aus Erfahrung, verstehen, dass verborgenen Gegenstände weiter existieren. Sie sind keine dummen Hühner.

Ein Hühnerleben könnte ziemlich schön sein, gäbe es keine gewerbliche Hühnerhaltung.

Hochleistungshennen für gewerbliche Hühnerhaltung

Den enormen Eierhunger der Deutschen stillen so genannte Lege-Hybriden. Das sind auf eine möglichst hohe Legeleistung gezüchtete Hennen. Die Legeleistung kann man durch künstliche Beleuchtung noch steigern, denn die Eierproduktion hängt von den Lichtverhältnissen ab.

Diese Hochleistungshennen legen rund 300 Eier im Jahr. Das ist mehr als zehnmal so viel wie ein wildes Huhn. Es ist kein Wunder, dass diese Legeleistung einen enormen Kraftaufwand darstellt und den Körper kräftig auszehrt. Nicht selten beschert diese Lebensweise den Hennen auch einen frühen Tod.

Haltungsformen

 

  • Käfighaltung

Acht Prozent der deutschen Legehennen leben noch immer in Käfighaltung. Die klassische Legebatterie ist seit 2010 verboten. Stattdessen wurde der Kleingruppenkäfig eingeführt. War es in der Käfighaltung etwa die Fläche eines DinA4 Blattes, die jedem Huhn zur Verfügung stand, so ist sein Lebensraum nun auf eineinhalb Blätter angewachsen. In einer Kleingruppe leben sechzig Hennen, viel zu viel für eine stabile Gruppenordnung.

Die Haltungsform der Hühner muss auf verarbeiteten Produkten nicht angegeben werden. Käfigeier gelangen deshalb immer noch zum Beispiel in Fertigprodukten und Backwaren auf unsere Teller.

  • Bodenhaltung

Der größte Teil der Legehennen, etwa 60 Prozent, lebt in Bodenhaltung. Diese teilen sich neun Hühner einen Quadratmeter. Bis zu 6.000 Tiere leben in einer Gruppe zusammen. Eine Hackordnung gibt es unter diesen Bedingungen natürlich nicht. Die Tiere sind ständigen Auseinandersetzungen ausgeliefert, denen sie wegen der Enge nicht ausweichen können.

  • Freilandhaltung

Etwa 20 Prozent der Legehennen lebt in Freilandhaltung. Das bedeutet, dass den Tieren tagsüber eine Auslaufmöglichkeit im Freien angeboten werden muss. Ansonsten sind die Bedingungen mit denen der Bodenhaltung identisch. Es kann vorkommen, dass der Auslauf tageweise geschlossen bleibt oder Hühner es wegen der Enge einfach nicht ins Freie schaffen.

  • Biohaltung

Zehn Prozent der Legehennen kommt in den Genuss von Biohaltung. Die unterscheidet sich allerdings kaum von der Freilandhaltung. Allerdings kommen auf einen Quadratmeter nur sechs Hennen und es dürfen nicht mehr als 3000 Hennen in einer Gruppe leben.

Schattenseiten der gewerblichen Hühnerhaltung

  • Schnabelkürzen

Um eine stabile Hackordnung zu erreichten benutzen Hühner ihre Schnäbel. Deswegen heißt es ja Hackordnung. Die gewerbliche Hühnerhaltung bietet den Hennen aber Lebensbedingungen, unter denen sie nicht in der Lage sind, eine friedliche Hierarchie einzurichten und es kommt ständig zu Auseinandersetzungen, auch durch Aggression und Frust.

Die gewerbliche Hühnerhaltung hat für das Problem eine einfache Lösung parat: Man schneidet den Küken einfach die Schnäbel ab, dann können sie nicht mehr hacken.

Der Schnabel ist aber ein vielseitiges Werkzeug, das viele verschieden Aufgaben erfüllt. Er dient nicht nur zur Nahrungsaufnahme und beim Trinken als Schöpfkelle sondern auch als Tastorgan und ist deshalb von einem dichten Nervengeflecht durchzogen.

Auch für die Gefiederpflege ist ein intakter Schnabel unerlässlich.

Schnabelkürzen ist Verstümmelung und eigentlich vom Tierschutzgesetz verboten. Sie wird ohne Betäubung durchgführt und verursacht vermutlcih sogar noch Phantomschmerzen lange nachdem dei Wunde verheilt ist. Trotz des Verbotes wird fast alle Hennen der Schnabel gekürzt. Ausgenommen sind nur Hennenaus Biohaltung.

  • Hähnchenmord

Die Legerassen der Hühner zeichnen sich durch eine hohe Legeleistung aus, setzen aber nicht viel Fleisch an. Deshalb eignen sie sich nicht für de Fleischproduktion. Hier kommen spezielle Fleischrassen zum Einsatz. Was aber tun mit den männlichen Küken der Legerassen? Ganz einfach: Diese „Eintagsküken“  werden einfach getötet. Die jungen Hähnchen werden an ihrem ersten Lebenstag entweder vergast oder in einem Homogenisator geschreddert.

  • Schlachtung von Legehennen

Wild lebende Hennen können bis zu zwanzig Jahre alt werden. Eier legen sie aber nur in den ersten zwei Jhren ihres Lebens. Was tun mit ausrangierten Legehennen? Ganz einfach: Schlachten und als Suppenhuhn verkaufen.

Man ahnt es schon

Gewerbliche Hühnerhaltung ist niemals artgerecht. Die Hühner leiden unter den Haltungsbedingungen und werden zusätzlich noch verstümmelt. Wirklich „glückliche Eier“ gibt es nur aus der Hühnerhaltung im eigenen Garten. Nachbars Garten geht natürlich auch 😉