Hühneraufzucht

Hühneraufzucht könnte so einfach sein: Ein Hahn. Eine Henne. Ein Ei. Oder ein paar Eier mehr. Nur ist das Haushuhn seit Jahrtausenden domestiziert und in der Zwischenzeit hat man ihm den Bruttrieb weg gezüchtet. Viele Hühnerrassen sind nicht mehr instinktfest und wissen einfach nicht mehr, was das soll und deshalb muss oft ein bisschen nachgeholfen werden, denn Hühneraufzucht kann nicht nur als Naturbrut sondern auch als Kunstbrut erfolgen.

Hühneraufzucht in Naturbrut

Bei der Naturbrut läuft tatsächlich alles von allein. Die Henne legt Eier, sammelt ein Gelege und brütet es aus. Nach dem Schlupf kümmert sie sich liebevoll um ihre Küken, wärmt sie, schützt sie und bringt ihnen alles bei, was ein Huhn wissen muss. Nach etwa fünf Wochen sind die Küken schon ziemlich selbständig. Spätestens nach acht Wochen zieht sich die Glucke zurück und die Kleinen müssen allein zurecht kommen. Der Mensch muss während der ganzen Zeit nur für gute Haltungsbedingungen sorgen. Aber das tut er ja ohnehin. 🙂

Entwicklung der Küken

Nach drei Wochen Brutdauer ist es soweit und die Küken schlüpfen. Anschließend absolvieren sie verschiedene Entwicklungsphasen, bis sie als junge Hühner in die Selbständigkeit entlassen werden.

  • Phase 1 – Prägungsphase

Die erste Phase der Entwicklung der Küken ist die totale Konzentrationsphase. Sie dauert etwa drei Tage. Während dieser Zeit entfernen sich die Küken kaum von der Glucke. Es ist eine sensible Phase für die nachhaltige Prägung der Küken. Die Küken lernen jetzt, ihre Mutter und ihre eigene Spezies zu erkennen. Auch das Fressen steht jetzt auf dem Stundenplan.

  • Phase 2 – fluktuierende Kontaktzone

Ab dem vierten Tag nach dem Schlüpfen bis etwa zum Ende der zweiten Lebenswoche entfernt sich die Glucke mit den Küken schon mal weiter vom Nest. Die Küken allerdings entfernen sich nicht mehr als wenige Meter von der Mutter. Noch immer ist die Glucke Lebensmittelpunkt der Kleinen.

  • Phase 3 – Dispersionsphase

Die Küken werden wagemutiger und unternehmungslustiger. Sie entfernen sich schon mal weiter von der Glucke, kehren aber als Reaktion auf deren Kontaktruf rasch wieder zu ihr zurück. Dieser Abschnitt beginnt mit der dritten Lebenswoche. Im Alter von zwei bis drei Monaten löst sich die Bindung zwischen Glucke und Küken allmählich. Die Küken beginnen ihr eigenes Leben, werden zunehmen selbständiger.

Nach etwa zwei Monaten stellt sich der Hormonhaushalt der Henne wieder um, ihr Muttertrieb erlischt.

Hühneraufzucht durch Kunstbrut

In der gewerblichen Hühnerhaltung kommen in der Regel „Hybridhennen“ zum Einsatz, die keinen Bruttrieb mehr besitzen. Auch schlechtes Futter oder zu viele Hähne im Hühnervolk hemmen die Brutbereitschaft. Sollte das aber der Grund für ausbleibenden Nachwuchs sein, muss man natürlich die Haltungsbedingungen optimieren, statt auf Kunstbrut zurückzugreifen.

Auch wer sich Nachwuchs wünscht, aber keine Hähne hält, ist auf Kunstbrut angewiesen. Bruteier zur Hühneraufzucht kann man auch kaufen. Mangelt es der Mutterhenne an Bruttrieb, kann man die Eier auch von Ammenhennen ausbrüten lassen. Wenn keine geeignete Ammenglucke vorhanden ist, werden die Eier in der Kunstbrut von einem Brutautomaten ausgebrütet.

Die Bruteier sollten aus den Nestern entfernt und durch künstliche Eier ersetzt werden. Bei Temperaturen zwischen acht und vierzehn Grad könne die Bruteier bei ausreichender Luftfeuchtigkeit etwa zehn Tage gelagert werden, bevor die Brut beginnt. Wie während der eigentlichen Brut müssen die Eier täglich ein bisschen gedreht werden.

Nach dem Schlupf

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Das wichtigste, was die Küken zum Leben brauchen, das Picken, ist ihnen angeboren. Sie brauchen nach dem Schlupf daher in erster Linie eine Wärmequelle. Dafür richtet man in einem besonderen Bereich des Stalles eine Wärmelampe oder Wärmeplatte ein, unter der sich die Küken aufhalten können. Eine Wärmeplatte bietet den Vorteil, dass die Küken sich darunter geborgen fühlen können.

In der ersten Lebenswoche benötigen die Kleinen stattliche 32°C. Die Raumtemperatur kann dann in den Folgewochen immer weiter gesenkt werden, bis das Gefieder voll ausgebildet ist und die jungen Hühnchen wärmen kann. Eine Rückzugsmöglichkeit in ein kühles Plätzchen benötigen sie trotzdem. Und Zugluft tut ihnen gar nicht gut.

Futter benötigen die Küken in den ersten beiden Tagen nach dem Schlüpfen noch nicht. Für danach gibt es spezielles Kükenstarterfutter. Wenn man es selbst zubereitet, sollte es geschrotet oder zerstampft sein, damit die Kleinen es auch schlucken können. Ab dem dritten Lebensmonat kann man normales Hühnerfutter servieren.

Brutmaschinen

Der Fachhandel bietet Brutmaschinen in vielen verschiedenen Ausstattungen und Größen an. Ein Flächenbrüter oder Motorbrüter mit automatischem Wendeeinsatz reicht für den Anfang.

Beim Flächenbrüter wird die Luft über Heizdrähte erwärmt. Die Wärmeverteilung ist dabei nicht gleichmäßig. In der Mitte der Brutmaschine ist es wärmer als am Rand. Die Eier müssen deshalb während der dreiwöchigen Brut nicht nur gewendet sondern auch umplatziert werden, damit alle einmal in der Wärmezone zu liegen kommen. Weil sich die Luft nicht bewegt, bildet sich eine sauerstoffarme Schicht um die Eier. Kurz vor dem Schlupf, brauchen die Küken aber besonders viel Sauerstoff. Die Schlupfergebnisse sind deshalb meist nicht so gut wie in einem Motorbrüter.

Hühneraufzucht aus dem Motorbrüter
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In einem Motorbrüter wälzen Ventilatoren die Luft ständig um. Die Temperatur verteilt sich dadurch gleichmäßig. Die Eier werden automatisch umgewälzt. Die Luftzufuhr ist reggelbar, so dass die Küken beim Schlüpfen optimal versorgt sind. Manche Motorbrüter regeln auch die Luftfeuchtigkeit automatisch. Klar, schlägt sich eine Komfortausstattung im Geldbeutel nieder. Aber auch die Schlupfrate ist dementsprechend höher. Ein bei Hobbyzüchtern beliebtes Gerät ist der Campo24® V56S Motorbrüter