Hühnerhaltung im eigenen Garten

Hühnerhaltung im eigenen Garten liegt voll im Trend. Jeden Tag frische Eier, das Leben der Hühner beobachten – diesen Traum erfüllen sich nicht wenige Gartenbesitzer.

Doch bevor man in die hobbymäßige Hühnerhaltung einsteigt sind einige Dinge zu beachten und Fragen zu klären.

chickens-866507__180Am Anfang steht die Frage nach der persönlichen Zielsetzung. Dabei gibt es für den Einsteiger vielleicht gar kein klares Ziel. Hühner sind interessant, man möchte sie beobachten, an ihrem Leben teilhaben und täglich frische und unter artgerechten und lebensfreundlichen Bedingungen entstandene Eier sammeln.

Dann stellt sich die Frage, ob man den Hühnern bieten kann, was sie für ein glückliches, artgerechtes Leben brauchen. Das ist regelmäßige Versorgung und ein ansprechender Lebensraum.

Hühnerleben

chicken-763960__180Hühner sind Frühaufsteher und dementsprechend gehen sie auch abends „mit den Hühnern schlafen“. Den Vormittag und Nachmittag verbringen sie mit Fressen bzw. Futtersuche. Dazwischen halten sie Siesta. Die ist auch wichtig, denn jetzt befindet sich wahrscheinlich ein Ei in der Kalkkammer und Ruhestörungen während der Schalenbildung können dazu führen, dass das Ei verloren geht. Falls ein Ei gelegt wird, geschieht das meist vormittags, in der Regel in einem Nest im Stall. Danach wird sich wieder dem eigenen Wohlergehen gewidmet. Dazu gehören auch ausgiebige Sandbäder, bei denen die Hühner ihr Gefieder mit Sand pudern um Parasiten zu vertreiben.

Hühner sind soziale Tiere und sollten immer in Gruppen von mindestens drei Tieren gehalten werden. Ein Hahn ist für die Hühnerhaltung nicht unbedingt nötig, denn die Hühner legen ihre Eier auch ohne sein Zutun. Aber neben dem Befruchten der Eier, der Begattung der Hennen, was auch „Treten“ genannt wird, hat der Hahn noch andere soziale Aufgaben in der Gruppe, etwa das Führen der Gruppe oder Schlichten von Streitigkeiten zwischen den Hennen.

Der Hühnerstall

Der Hühnerstall mit Voliere und Freilauf bildet den Lebensmittelpunkt der Hühner. Die Hühner verbringen einen Großteil ihres Lebens, die Nächte, Frosttage und Perioden der Stallpflicht darin. Er sollte daher den Ansprüchen an ein gutes Hühnerleben auf jeden Fall gerecht werden.

chicken-522922__180Der ideale Hühnerstall ist warm und trocken, gut belüftet aber nicht zugig, hell und sicher. Gut ist auch, wenn das Dach sich öffnen lässt, denn das erleichtert die Pflege und Wartung. Erfahrene Hühnerhalter legen deshalb Wert auf gut isolierte Hühnerställe mit großen Fenstern und einem Boden, der Schutz vor Schadnagern und Fressfeinden bietet.

Für eine ausreichende Wärmeisolierung und Trockenheit muss das Holz eine ausreichende Stärke aufweisen. Billige Ställe sind gerne aus zu dünnen Brettern gefertigt und bieten den Hühnern kein angenehmes Wohnklima.

Den Hühnern muss ausreichend Tageslicht zur Verfügung stehen, denn die Legeleistung hängt von einer guten Lichtversorgung ab. Die Fenster sollten nach Süden oder Südosten ausgerichtet sein. Hühner mögen es hell und die Qualität des Lichtes ist nimmt starken Einfluss auf die Gesundheit der Tiere und damit auch auf die Legeleistung oder Fleischqualität. Falls das Licht nicht von außen kommt, muss der Stall mit Vollspekrtum-Tageslichtlampen beleuchtet werden.

Der Boden muss für Fressfeinde wie Füchse oder Marder unüberwindbar sein. Deswegen ist es praktisch, wenn der Hühnerstall auf Füssen steht, die ihn über den Erdboden erheben.

Jedem Huhn sollten 0,3 – 0,4 m² zur Verfügung stehen. Der tatsächliche Platzbedarf hängt letztendlich von der Rasse und Größe der Tiere ab.

Wo bekommt man einen Hühnerstall?

Für Anfänger und Einsteiger ist es sicherlich am günstigsten, einfach einen Bausatz für einen Hühnerstall zu kaufen. Diese Ställe werden meist mit einer Voliere geliefert. Sie lassen sich durch eine integrierte Schublade im Boden leicht reinigen und das Dach kann oft geöffnet werden. Die Preisspanne streckt sich von knapp über 100€ bis knapp unter 1000€. Die Qualität bestimmt den Preis.

Hühnerhaltung hat im Frühling Hochsaison. Jetzt beziehen die meisten Hühner ihre neuen Domizile. Besonders Anfängern sei aber ans Herz gelegt: Der nächste Winter kommt bestimmt. Und gerade dann muss der Stall den Hühnern ein angenehme Atmosphäre bieten. Deshalb sollte man auf Qualität achten und lieber etwas mehr ausgeben. Und auch was die Größe angeht – über zuviel Platz hat sich noch kein Huhn beschwert.

Wer handwerklich geschickt ist, kann sich selbst an den Bau eines Hühnerstalles
wagen. Anleitungen dazu und ausführliche Beschreibungen sind leicht erhältlich, zum Beispiel der online Videokurs „Hühnerstall selber bauen“ von David Nuss.

Oder man kauft sich einen Bausatz. Ein  Bestseller ist der Hühnerstall mit abschließbarem Schlafhaus von Deuba. Dieser Hühnerstall ist sogar begehbar (Maße: L191 x B151 x H172 cm)  und die Legebox lässt sich von außen öffnen.

Solche mobilen Hühnerställe benötigen keine Baugenehmigung. Außerdem bieten sie den großen vorteil, dass man sie leicht versetzen kann, wenn ihr Umfeld „abgewohnt“ ist und eine Regenerationspause braucht.

Die Ausstattung des Stalles

Zur Innenausstattung des Hühnerstalles gehören Sitzstangen, auf die sich die Hühner zum Ruhen und Schlafen zurückziehen. Ihre Sitzstangen erreichen die Bewohner über eine Hühnerleiter. Wenn sich unter der Sitzstange ein Kotbrett befindet, verschmutzt die Einstreu nicht so schnell. Als Einstreu eignet sich geschnittenes Stroh oder nicht zu feine Hobelspäne. Ein Futtertrog, ein Wassertrog und ein Sandbad für schlechtes Wetter und die Wintermonate gehören ebenfalls dazu.

Futter und Wassertrog sollten erhöht stehen um Verunreinigungen zu vermeiden. Alternativ können Vorratsautomaten verwendet werden. Das hat auch den Vorteil, dass man die Hühner auch mal ein bis zwei Tage alleine lassen kann.

Und last but not least befinden sich im Hühnerstall noch ein Legenest
, in denen die Hühner ihre Eier ablegen. Die Legeboxen werden etwa eine halben Meter über dem Boden angebracht und könne über treppenartig angelegte Anflugstangen erreicht werden. Ein Legenest sollte eine Fläche von etwa 35 X 35 cm haben. Mehrere Hühner teilen sich auch gerne ein Nest.

Der Auslauf

Natürlich gehört auch ein Auslauf zu einer artgerechten Stallanlage. Der sollte mindestens 20 m² pro Huhn haben und muss Fressfeinde sicher abhalten. Selbstverständlich sollte er auch für die Hühner unüberwindbar sein. Manche Rassen sind gute Flieger und ihr Hühnerzaun sollte mindestens 1,80 m hoch sein.

Im Auslauf sollten Schatten spendende Bäume oder Büsche vorhanden sein.  Hühner fühlen sich sicher, wenn sie Unterschlupfmöglcihkeiten zum Schutz vor Feinden finden. Auch ein Sandbad gehört zu einem guten Hühnergehege. Hühner nutzen das Sandbad zur Körperpflege und vertreiben damit Parasiten aus dem Gefieder.

Hühner auf dem Mist
Hühner lieben es zu scharren

Ein Komposthaufen im Gehege steht auf der Hitliste der Bewohner weit oben, denn Hühner lieben es, auf der Suche nach Futter im Mist zu scharren. Auch Grünflächen sind ein idealer Untergrund im Auslauf, denn auch hier scharren die Hühner begeistert nach Leckereien wie Würmern oder Käfern, die das Futter ergänzen.

Ein Zwischending zwischen Stall und Auslauf, quasi der Balkon für Hühner, ist die Voliere. Sie ist direkt an den Stall angeschlossen und nach Möglichkeit überdacht. Hier sollten jedem Huhn mindestens 3 m² zur Verfügung stehen.

Hühnerfutter

Hühner sind Allesfresser. Ihre Nahrung sollte sich aus pflanzlichen und tierischen Bestandteilen zusammensetzen. Wenn Hühner ihren Speiseplan selbst bestimmen  nehmen sie Sämereien, Kleintiere wie Würmer, Maden und Insekten und frische grüne Pflanzenteile zu sich. Das sollte man ihnen auch bieten, denn auch ein Huhn ist, was es isst und die Qualität des Futters findet sich in der Qualität der Eier wieder.

Hauptfutter

Hühnerfutter
Hühnerfutter

Das Hauptfutter sollte aus Körnern bestehen. Weizen steht auf der Hitliste der Hühner ganz oben, gefolgt von Mais, Gerste und Dinkel. Hühner lieben eher trockenes bis fein krümeliges Futter und sind zum Teil gute Resteverwerter von Küchenabfällen. Fast alles, was übrig bleibt und nicht verdorben ist, eignet sich als Hühnerfutter – außer Suppe. Aber Spaghetti oder Kartoffeln vom Vortag, trockenes Brot, die Knochen vom Sonntagsbraten zum Abknabbern sind auf dem Speiseplan der Hühner willkommen.

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Sämereien kann man auch gekeimt anbieten. Das ist eine leckere Abwechslung für die Hühner. Darüber hinaus enthalten die Keimlinge ordentlich viel Vitamine und essentielle Fettsäuren.

Beifutter

Als Grünfutter sind die grünen Pflanzenteile der Leguminosen gut geeignet: Hülsenfrüchte, Klee, Lupine oder Luzerne.
Auch Saftfutter in Form von Rüben, Gemüse und Obst gehört zu einer ausgewogenen Ernährung der Hühner. Grobe Nahrungsbestandteile, auch Gtreide, serviert  man am besten gehäckselt bzw. geschrotet, denn so sind sie leichter verdaulich und werden vom Körper besser verwertet.

Hühner schlucken gerne kleine Steinchen, so genanntes Grit. Das sorgt für eine effiziente Zermahlung der Nahrung im Muskelmagen. Falls sie im Freilauf nicht genügend davon bekommen muss das separat angeboten werden.
Für die Kalkschale der Eier muss außerdem reichlich Kalk angeboten werden. Schneckenhäuser, Eierschalen oder Knochenmehl (aus eigener Produktion vom Sonntagsbraten) sind gute Kalkquellen. Außerdem ist Futterkalk im Handel erhältlich.

Eier enthalten auch ordentlich viel Wasser. Deshalb muss eine Legehenne richtig viel frisches Wasser trinken. Selbstverständlich muss man das Hühnerfutter nicht selbst herstellen. Der Fachhandel bietet allerlei fertige Futtermischungen für jede Lebensphase des Huhnes. Aber es macht viel Freude.

Bezugsquellen für Hühner

Nachdem alle Vorbereitungen getroffen sind, der Hühnerstall und das Gelände bereit stehen, ist es Zeit sich um den Erwerb der Hühner zu kümmern. Am besten wendet man sich an den örtlichen Geflügelzuchtverein. Dort wird man sich ach noch über die Eigenschaften verschiedener Hühnerrassen informieren. Ein junges Huhn ist schon für 10 – 20 € zu haben.

Hühnerrassen

Haushahn
Dieser Haushahn sieht einem Bankivahuhn sehr ähnlich

Die Urform all unserer Haushühner ist das Bankiva-Huhn aus Südostasien. Darauf basierend begann der Mensch vor 4000 – 8000 Jahren – die Wissenschaftler sind sich da nicht so einig – das Haushuhn zu züchten. Heute gibt es weltweit etwa 300 Hühnerrassen, davon leben alleine in Europa 180.

Generell werden Hühnerrassen in Groß- und Zwergrassen eingeteilt. Aber man kategorisiert Hühnerrassen auch nach ihrem „Verwendungszweck“ in

  • Fleischrassen
  • Legerassen
  • Zwierassen
  • Kampfrassen
  • Zierrassen

Fleischrassen zeichnen sich durch einen wuchtigen Körperbau mit viel Muskelmasse aus. Die Hähne werden bis zu 5kg schwer, Hennen sind etwas leichter. Fleischrassen sind daher gemütliche Riesen mit ruhigem Temperament. Sie sind auch nicht besonders flugfreudig. Ihre Legeleistung beträgt etwa 100 – 150 Eier im Jahr.

Legerassen sind dagegen sehr feingliedrige Hühner, die nicht selten zweihundert Eier pro Jahr legen. Spitzenhennen können es auf eine Legeleistung von dreihundert Eiern pro Jahr bringen. Diesen Hühnern fehlt oft ein gesunder Bruttrieb. Legerassen sind meist auch gute Flieger, was man bei der Höhe der Einfriedung berücksichtigen muss.

Zwierassen vereinen die positiven Eigenschaften der Fleisch- und Legerassen in sich. Sie werden bis zu 4kg schwer und legen 130 – 200 Eier pro Jahr. Sie sind keine übermäßig guten Flieger. Eine schöne Nebensache ist, dass die Angehörigen der meisten Zwierassen sehr zutraulich werden können. Ein Argument, dass für die Anschaffung einer solchen Rasse sprechen kann, denn normalerweise sind Hühner keine Kuscheltiere mit Familienanschluss.

Kampfrassen sind kräftige, muskulöse Hühner, denen man ihre Vergangenheit als Kampfhähne ansieht. Die Hähne sind aggressiv und dulden keine auch noch so friedlichen Nebenbuhler. Die Legeleistung der Hennen ist mit etwa 100 Eiern pro Jahr eher gering. Für Einsteiger in die Hühnerhaltung sind Kampfrassen nicht gut geeignet.

Zierrassen wurden und werden ausschließlich zu Hobbyzwecken wegen ihrer optischen Eigenschaften gezüchtet und kommen deswegen in einer großen Formen- und Farbenvielfalt daher.

chicks-706495__180Hühneraufzucht

Wer schon Erfahrung mit der Hühnerhaltung gesammelt hat, will sich vielleicht auch an die Hühneraufzucht wagen. Dann braucht man entweder einen Hahn oder muss befruchtete Eier kaufen. Die werden dann von einer Ammenglucke oder einem Brutapparat ausgebrütet. Mit der Benutzung eines Brutapparates nimmt man viel Verantwortung auf sich, denn das Ausbrüten der Eier benötigt viel Sachverstand. Dann ist noch zu bedenken, dass aus den Eiern mit etwa 50% Wahrscheinlichkeit kleine Hähne schlüpfen, die niemals Eier legen werden.

 

Die tägliche Routine

Morgens und abends müssen die Hühner vom Stall in den Freilauf bzw vom Freilauf in den Stall geschickt werden. Zweimal täglich sollten sie gefüttert und getränkt werden. Vormittags wird das Kotbrett gereinigt und die Eier eingesammelt. Das ist mit etwa einer Viertelstunde täglich erledigt.

Vor der Anschaffung von Hühnern muss man aberschon überlegen, was passiert, wenn man selbst als Betreuer ausfällt und sich um mögliche Hühnersitter kümmern.

Für eine kleine Schar Hühner sollte man schon etwa 100 m² Freilauf zur Verfügung haben. Hühner sind soziale Tiere und sollten immer in Gruppen von mindestens drei Tieren gehalten werden. Die Rasse und Größe der Hühner entscheidet letztlich über den Platzbedarf. Für normal große Hühner sind etwa 20 – 30 m² pro Huhn als Auslauf optimal. Das schont die Grasfläche dauerhaft, da Hühner ja gerne scharren.

 

Rechtliches

Hühner zählen rechtlich zu den Kleintieren und deren Haltung ist in reinen Wohngebieten grundsätzlich erlaubt, solange es sich nicht um gewerbliche Tierhaltung handelt. Kleine Hühnerscharen ohne Hahn sind in der Regel problemlos und geräuscharm zu halten. Trotzdem ist es ratsam, die geplante Hühnerhaltung vorab mit den Nachbarn abzuklären. Für eventuelle Streitfälle gilt das private Nachbarrecht. Besser ist allerdings, die Nachbarn rechtzeitig zu informieren und wenn nötig mit frischen Eiern aus artgerechter Haltung zu bestechen ;-). Die Haltung eines Hahnes kann durchaus problematisch sein, denn nachts und wenn er Pech hat auch mittags gilt ein Schweigegebot für Hähne.

Nebengebäude für die Kleintierhaltung können meist einfach errichtet erden. Allerdings nicht gemauerte Hühnerställe. Für die braucht man immer eine Baugenehmigung. Ansonsten hängt die Genehmigungspflicht von Größe, Bauart und Standort des Gebäudes ab. Das örtliche Bauamt kann hier genaue Auskunft erteilen.

Die gute Nachricht: Für mobile Hühnerställe gelten diese Bestimmungen nicht.

Hühner müssen in Deutschland beim Veterinäramt gemeldet werden. Für Kleinbestände ist das kostenfrei. Alle Hühner müssen regelmäßig gegen die Geflügelpest geimpft werden. Der Impfstoff kann über das Trinkwasser verabreicht werden.

Ausführliche Informationen über die rechtlichen Bestimmungen zur privaten Hühnerhaltung  beim Bauernhahn.